Zum Inhalt springen
TankNorm

EN 13445: Welche Schweiß-Nachweise im Druckbehälterbau anfallen

EN 13445 ist die europäische Normenreihe für unbefeuerte Druckbehälter. Dieser Text ordnet ein, welche schweißtechnischen Nachweise beim Bau solcher Behälter typischerweise geführt werden — und welche davon eine Dokumentationssoftware mitträgt. Er ersetzt weder die Norm noch die Ausführungsspezifikation Ihres Auftrags.

Die Kette der Schweiß-Nachweise

Unabhängig vom konkreten Behälter hängen die schweißtechnischen Nachweise in einer Kette zusammen. Jedes Glied stützt das nächste:

  1. 1

    Schweißanweisung (WPS) nach ISO 15609-1

    Sie beschreibt, wie geschweißt wird: Prozess, Grundwerkstoff, Zusatzwerkstoff, Schutzgas, Nahtform, Lagenaufbau und Parameter. Sie ist das Dokument, das in der Werkstatt gilt.

  2. 2

    Verfahrensprüfung (WPQR) nach ISO 15614-1

    Sie belegt, dass das beschriebene Verfahren in einem geprüften Bereich beherrscht wird. Ihr Geltungsbereich — u. a. Werkstoffgruppe, Dickenbereich, Prozess — entscheidet, welche Schweißanweisungen sie trägt.

  3. 3

    Schweißerqualifikation nach ISO 9606-1:2012 (EN ISO 9606-1:2017)

    Sie belegt die Fertigkeit der ausführenden Person im jeweiligen Geltungsbereich. Die Bescheinigung trägt Fristen: die Bestätigung alle sechs Monate nach §9.2 und die Verlängerung nach §9.3.

  4. 4

    Schweißaufsicht nach ISO 14731

    Die Norm beschreibt Aufgaben und Verantwortung der Schweißaufsicht. Wer welche Aufgabe übernimmt, gehört dokumentiert.

  5. 5

    Werkstoffnachweise nach EN 10204

    Prüfbescheinigungen der Typen 2.1, 2.2, 3.1 und 3.2 belegen die Eigenschaften des eingesetzten Werkstoffs. Sie gehören dem Bauteil und dem Projekt zugeordnet.

ISO 3834-2 als Klammer

Viele Behälter- und Apparatebauer arbeiten nach ISO 3834-2, den umfassenden Qualitätsanforderungen für das Schmelzschweißen. Die Norm verlangt unter anderem, dass Verfahren, Personal und Werkstoffnachweise nachvollziehbar geführt werden. Genau diese Nachweise sind es, die in vielen Betrieben über getrennte Ablagen verstreut liegen.

Was diese Software übernimmt — und was nicht

Übernimmt sie

  • WPS nach ISO 15609-1 erzeugen und als PDF ausgeben
  • Verfahrensprüfungen mit Geltungsbereich führen und mit der WPS abgleichen
  • Schweißerqualifikationen samt Fristen aktuell halten
  • Werkstoffzeugnisse nach EN 10204 zuordnen
  • Projektdokumente als PDF/ZIP ausgeben

Übernimmt sie nicht

  • Den Prüfumfang oder die Prüfgruppen für einen Behälter festlegen
  • Berechnung oder Auslegung des Behälters
  • Konformitätsbewertung oder Abnahme
  • Eine Aussage darüber treffen, ob ein Bauteil den Anforderungen entspricht

Häufige Fragen

Was regelt EN 13445?

EN 13445 ist die europäische Normenreihe für unbefeuerte Druckbehälter. Sie ist in Teile gegliedert — unter anderem Werkstoffe, Konstruktion, Herstellung und Prüfung — und wird im Zusammenhang mit der Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU herangezogen.

Ersetzt eine Software die Prüfung durch eine benannte Stelle?

Nein. Konformitätsbewertung und Prüfung liegen bei den dafür vorgesehenen Stellen und Ihrem Betrieb. Eine Dokumentationssoftware hält die Schweiß-Nachweise vollständig und auffindbar — sie trifft keine Bewertung.

Welche Schweißprozesse werden in der Software geführt?

Die Prozesse 111 (E-Hand), 121 (UP), 131 (MIG), 135 (MAG), 136 (Fülldraht), 138 (MAG mit Metallpulverfülldraht) und 141 (WIG) nach ISO 4063.

Der Normtext selbst ist kostenpflichtig und beim Beuth-Verlag erhältlich. Dieser Beitrag gibt eine Einordnung, keine Rechtsberatung; maßgeblich sind die geltende Fassung der Norm und Ihre Ausführungsspezifikation.