EN 12285: werksgefertigte Stahltanks erdverlegt und oberirdisch
Die EN 12285 „Werksgefertigte Tanks aus Stahl“ ist die europäische Produktnormenreihe für werksgefertigte Stahltanks zur Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten. Teil 1 regelt liegende erdverlegte Tanks, Teil 2 liegende oberirdische. Laut DIN Media hat sie die DIN 6608 und die DIN 6616 abgelöst.
Quellenstand: Anwendungsbereiche laut Kurzreferat von DIN Media, Gliederung laut veröffentlichtem Inhaltsverzeichnis, deutsche Zusatzanforderungen laut der hessischen Umsetzung der MVV TB 2025/1 (alle abgerufen am 05.10.2026). Tabellenwerte der Norm wie Wanddicken oder Prüfdrücke stehen nicht in diesen Quellen und deshalb nicht auf dieser Seite.
Aus welchen Teilen besteht die EN 12285?
- EN 12285-1DIN EN 12285-1:2018-12, aktuell
Liegende, zylindrische, ein- und doppelwandige Tanks zur unterirdischen Lagerung, nicht für das Heizen und Kühlen von Gebäuden
- EN 12285-2DIN EN 12285-2:2005-05, aktuell
Liegende, zylindrische, ein- und doppelwandige Tanks zur oberirdischen Lagerung
- EN 12285-3DIN EN 12285-3:2019-06, aktuell
Liegende, zylindrische, ein- und doppelwandige Tanks zur unterirdischen Lagerung für das Heizen und Kühlen von Gebäuden
- EN 12285-4EN 12285-4:2025 (BSI); deutsche Fassung bisher als Entwurf 2022-07
Stehende, zylindrische, ein- und doppelwandige Tanks zur oberirdischen Lagerung
EN 12285-1: erdverlegte Tanks
Laut Kurzreferat legt Teil 1 Produkteigenschaften und Prüfverfahren für werksgefertigte zylindrische, liegende, einwandige (Typ S) und doppelwandige (Typ D) Stahltanks zur unterirdischen Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten fest. Die Anwendungsgrenzen dort: Nenndurchmesser von 800 mm bis 3 000 mm, Gesamtlänge bis zum 6-fachen des Nenndurchmessers, übliche Umgebungstemperaturen von −20 °C bis +50 °C. Nach der Norm ausgelegte Tanks ermöglichen laut Kurzreferat eine Erddeckung bis 1,5 m; bei Verkehrslast oder größerer Erddeckung ist eine Berechnung durchzuführen.
Ausgenommen sind Tanks für das Heizen und Kühlen von Gebäuden — die regelt seit 2019 die EN 12285-3. Mit der Ausgabe 2018 wurde außerdem die Positiv-Flüssigkeitsliste der früheren DIN 6601 als Anhang B übernommen; sie dient der Bewertung, ob Flüssigkeit und Behälterwerkstoff zusammenpassen.
EN 12285-2: oberirdische Tanks
Teil 2 legt laut Kurzreferat Anforderungen für werksmäßig hergestellte, zylindrische, ein- und doppelwandige Stahltanks für die oberirdische Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten mit einer maximalen Dichte von 1,9 kg/l fest, bei Umgebungstemperaturen von −20 °C bis +50 °C. Die Tankmontage regelt die Norm nicht. Der englische Anwendungsbereich (BSI) nennt wie bei Teil 1 einen Nenndurchmesser von 800 mm bis 3 000 mm und eine Länge bis zum 6-fachen des Durchmessers.
Werkstoffe, Prüfung und Kennzeichnung: was die Gliederung zeigt
Die veröffentlichten Inhaltsverzeichnisse zeigen, wo die Norm die Themen behandelt, die für die Fertigung zählen:
- Teil 1: Abschnitt 4 Produkteigenschaften mit Schweißen (Ausführung der Schweißnähte, Schweißzusatzwerkstoffe), Werkstoffen für Mantel, Böden und Mannlöcher, Wanddicke und Dichtheit; Abschnitt 5 Prüfung mit Dichtheitsprüfung; Abschnitt 6 Klassifizierung mit Tankklassen; Abschnitt 7 Kennzeichnung und Dokumentation.
- Teil 2: Abschnitt 4 Anforderungen mit Werkstoffen, Bauart und Fertigung; Abschnitt 5 Prüfung; Abschnitt 6 Konformitätsbewertung mit werkseigener Produktionskontrolle; Abschnitt 8 Kennzeichnung mit Fabrikschild, Tankzertifikat und Dokumentation.
Die Werte selbst — Werkstoffgüten, Nenndicken, Prüfdrücke, Einteilung der Tankklassen — stehen in den Tabellen der Norm und sind nicht Teil der freien Vorschau.
Zusatzanforderungen in Deutschland: MVV TB
In der hessischen Umsetzung der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB 2025/1) stehen beide Teile als technische Regeln — mit Ergänzungen und für Teil 2 mit einer Ausnahme: Oberirdische Tanks sind dort genannt „außer flüssige Brennstoffe zur energetischen Versorgung von Heiz- und Kühlanlagen für Gebäude“. Die Gütegemeinschaft des Behälterverbands nennt dieselbe Ausnahme für ihre Übereinstimmungszertifikate nach Teil 1 und Teil 2. Zu beiden Teilen heißt es in der hessischen Fassung, die Behälter seien „in Tankklasse B oder Tankklasse C auszubilden“. Für Teil 2 verlangt die Anlage dort außerdem eine werkseigene Produktionskontrolle entsprechend DIN EN 1090-2 mit den Anforderungen der Ausführungsklasse EXC 2 und eine Dichtheitsprüfung des Innenbehälters als Stückprüfung mit Wasser; für Teil 1 unter anderem beidseitig durchgehend geschweißte Schweißnähte.
Für die dort genannten Tanks bestätigt der Hersteller die Übereinstimmung mit dem Ü-Zeichen auf Grundlage eines Übereinstimmungszertifikats. Die Länder setzen die MVV TB jeweils selbst um; maßgeblich ist die im Bundesland des Aufstellorts eingeführte Fassung.
EN 12285 und die abZ
Stahltanks können auch über eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung (abZ) des DIBt geregelt sein. Ein solcher Bescheid weist nach eigenem Wortlaut „die Verwendbarkeit bzw. Anwendbarkeit des Regelungsgegenstandes im Sinne der Landesbauordnungen“ nach und berücksichtigt die wasserrechtlichen Anforderungen: Nach § 63 Absatz 4 Nummer 2 und 3 WHG gilt der Tank damit wasserrechtlich als geeignet — mehr dazu unter LAU-Anlage nach AwSV.
Der Bescheid Z-38.14-330 für doppelwandige unterirdische Tanks etwa bezieht die zulässigen Lagerflüssigkeiten auf den Anhang B der DIN EN 12285-1 und verlangt eine werkseigene Produktionskontrolle nach DIN EN 1090-2, Ausführungsklasse EXC 2. Welche Tanknormen früher galten, zeigt die Übersicht der Tanknormen DIN 6600 ff.
Was die Software beiträgt
Schweißnähte, Werkstoffe und Kennzeichnung sind Themen der Norm; die Nachweise dazu führt der Betrieb. TankNorm führt die Schweiß-Nachweise browserbasiert: die Schweißanweisungen nach ISO 15609-1 mit den Verfahrensprüfungen nach ISO 15614-1 dahinter, die Schweißerqualifikationen nach ISO 9606-1 mit ihren Fristen und die Werkstoffzeugnisse nach EN 10204. Die zugeordneten Dokumente eines Projekts lassen sich als PDF/ZIP herunterladen.
Häufige Fragen zur EN 12285
Was ist der Unterschied zwischen EN 12285-1 und EN 12285-2?
Teil 1 gilt für liegende, werksgefertigte Stahltanks zur unterirdischen (erdverlegten) Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten, Teil 2 für liegende Stahltanks zur oberirdischen Lagerung. Beide umfassen ein- und doppelwandige Tanks.
Welche Normen ersetzt die EN 12285?
Laut DIN Media ersetzte DIN EN 12285-1:2003-07 die DIN 6608-1 und -2, DIN EN 12285-2:2005-05 die DIN 6616. Die Ausgabe DIN EN 12285-1:2018-12 ersetzt zusätzlich die DIN 6601 (Positiv-Flüssigkeitsliste, jetzt Anhang B).
Gilt EN 12285-1 auch für Heizöltanks?
Die Norm selbst nimmt Tanks für das Heizen und Kühlen von Gebäuden aus; diese regelt seit 2019 die EN 12285-3. In der hessischen Umsetzung der MVV TB 2025/1 ist DIN EN 12285-1 allerdings ausdrücklich auch auf solche Behälter anzuwenden. Maßgeblich ist die im jeweiligen Bundesland eingeführte Fassung.
Brauchen Tanks nach EN 12285 eine abZ?
Ein Tank, der einer eingeführten Technischen Baubestimmung entspricht, trägt das Ü-Zeichen auf Grundlage eines Übereinstimmungszertifikats. Weicht er wesentlich davon ab, ist laut der hessischen Umsetzung der MVV TB eine allgemeine bauaufsichtliche Zulassung oder eine Zustimmung im Einzelfall nötig.
Anwendungsbereich und Status stehen frei bei DIN Media. Dieser Beitrag gibt einen Überblick und ersetzt weder die Norm noch eine Rechtsberatung.